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Analyse 9 Milliarden Namen Gottes

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Submitted By danielo9
Words 2652
Pages 11
Die neun Milliarden Namen Gottes

»Dies ist ein etwas ungewöhnliches Anliegen«, sagte Dr. Wagner mit der ihm geboten er-scheinenden Zurückhaltung. »Soweit ich informiert bin, ist dies das erste Mal, daß jemand aus unserer Branche den Auftrag erhalten hat, einen automatischen Reihen-Kalkulator an ein tibetanisches Lama-Kloster zu liefern. Ich möchte nicht indiskret sein, doch ich kann mir schlecht vorstellen, daß Ihre ... äh ... Institution viel Verwendung für eine solche Ma-schine hat. Könnten Sie mir erklären, was Sie damit zu tun gedenken?«

»Mit großem Vergnügen«, erwiderte der Lama, legte behutsam den Rechenschieber nie-der, den er zur Umrechnung des Währungskurses benutzt hatte, und strich die weiten Ärmel seines seidenen Gewandes glatt. »Ihr Mark-V-Varianten-Kalkulator ist in der Lage, jede mögliche Kombination mit Zahlen bis zu zehn Stellen durchzuführen. Für unser Vor-haben kommen jedoch Buchstaben in Frage, keine Ziffern. Da wir Sie gebeten haben, die Typen der Schreibmaschine, die die Resultate wiedergibt, entsprechend zu ändern, wird sie uns Worte liefern und nicht Zahlenkolonnen.«

»Ich verstehe nicht ganz ...«

»Es handelt sich um eine Aufgabe, an deren Lösung wir seit drei Jahrhunderten, seit der Gründung unseres Klosters arbeiten. Die Sache mag für Ihre Ohren etwas fremd klingen, und deshalb möchte ich Sie bitten aufmerksam und unvoreingenommen zuzuhören, wäh-rend ich sie Ihnen zu erklären versuche.«

»Äh ... selbstverständlich!«

»Im Grunde ist das Ganze sehr einfach. Wir stellen eine Liste zusammen, die alle mögli-chen Namen Gottes enthalten soll.«

»Wie bitte?«

»Wir haben Gründe, anzunehmen«, sagte der Lama unerschüttert, »daß alle diese Na-men mit den neun Buchstaben eines Alphabets geschrieben werden können, das wir ent-worfen haben.«

»Und das haben Sie drei Jahrhunderte lang getan?«
»Ja. Inzwischen haben wir ausgerechnet, daß wir 15 000 Jahre brauchen würden, um un-sere Aufgabe zu vollenden.«

»Oh!« Dr. Wagner konnte seine Verblüffung nicht verbergen. »Jetzt verstehe ich, warum Sie eine unserer Maschinen mieten wollen. Doch was ist der Zweck dieses Unterneh-mens?«

Der Lama zögerte für den Bruchteil einer Sekunde, und Dr. Wagner befürchtete, daß er ihn verletzt habe. Wenn dem so war, dann ließ der Lama in seiner Antwort nichts davon merken.

»Sie mögen es für ritualistisch, für äußerlich halten, doch es ist ein fundamentaler Be-standteil unseres Glaubens. Alle die vielen Namen des höchsten Wesens, wie Jehovah, Gott, Allah usw., sind nur von Menschen erfundene Bezeichnungen. Hier liegt ein philo-sophisches Problem von letzter Bedeutung vor, das ich hier nicht erörtern möchte; doch unter sämtlichen möglichen Kombinationen unserer neun Buchstaben müssen auch jene Worte vorkommen, die den wahren Namen Gottes darstellen. Durch die systematische Permutation der Buchstaben haben wir versucht, sie alle zu erfassen.«

»Ich verstehe. Sie haben mit AAAAAAAAA begonnen und wollen dies fortsetzen bis zum ZZZZZZZZZ ...«

»Ja, so ungefähr, obwohl wir natürlich unser eigenes Alphabet benützen. Die elektromati-schen Schreibmaschinen auf dieses Alphabet umzustellen, dürfte leicht sein. Ein schwie-rigeres Problem stellt es schon dar, den Umlauf des Rechenautomaten so zu regulieren, daß keine überflüssigen, ich möchte sagen, lächerlichen Kombinationen entstehen. So soll ein Buchstabe nie mehr als dreimal hintereinander erscheinen.«

»Dreimal? Sie meinen sicher zweimal.«

»Nein, ich meine dreimal. Ich fürchte, es würde zu lange dauern, Ihnen zu erklären, wa-rum, selbst wenn Sie unsere Sprache verstehen würden.«

»Das befürchte ich auch«, sagte Dr. Wagner beflissen. »Fahren Sie nur fort.«

»Glücklicherweise wird es einfach sein, Ihren Automaten-Reihen-Kalkulator für diese Ar-beit einzuspannen, denn wenn er einmal richtig programmiert ist, wird er alle Buchstaben nacheinander permutieren und die Resultate selbst aufschreiben. Wozu wir 15 000 Jahre gebraucht hätten, das werden wir mit ihm in 100 Tagen erledigen können.«
Dr. Wagner war sich kaum der schwachen Geräusche bewußt, die aus Manhattans Stra-ßenschluchten heraufklangen. Er fühlte sich in eine andere Welt versetzt, in eine Welt na-türlicher, nicht von Menschen geschaffener Berge. Hoch oben in ihren Bergklöstern hatten diese Mönche geduldig, Generation auf Generation, daran gearbeitet, Listen von sinnlo-sen Worten zusammenzustellen. Gab es eine Grenze für die Torheit der Menschen? Doch er mußte seine geheimen Gedanken für sich behalten. Der Kunde hat immer recht ...

»Sicher ist es möglich«, erwiderte Dr. Wagner, »die Mark V so einzustellen, daß sie sol-che Listen liefert. Mehr Kopfzerbrechen macht mir die Frage des Transports und der Überwachung und Instandhaltung. Nach Tibet hinaufzukommen, ist auch heute noch kei-ne leichte Sache.«

»Daran haben wir gedacht. Die Einzelteile der Maschine sind klein genug, um per Luft be-fördert zu werden; dies ist auch der Grund, weshalb wir Ihr Fabrikat gewählt haben. Wenn Sie die Teile bis Indien bringen, werden wir für den Weitertransport sorgen.«

»Und Sie möchten zwei unserer Ingenieure engagieren?«

»Ja, für die drei Monate, die das Vorhaben in Anspruch nehmen wird.«

»Ich bin sicher, daß unser Personalbüro das arrangieren kann.« Dr. Wagner kritzelte eine Notiz auf seinen Block. »Da wären noch zwei andere Punkte ...«

Bevor er seinen Satz beenden konnte, hatte der Lama ein kleines Stück Papier zum Vor-schein gebracht.

»Dies ist mein beglaubigter Kreditbrief der Asiatischen Bank.«

»Oh, danke sehr! Das ... äh ... genügt. Der zweite Punkt ist so banal, daß ich zögere, ihn zu erwähnen; doch es ist erstaunlich, wie oft man die selbstverständlichsten Dinge über-sieht. Was haben Sie an elektrischer Energie zur Verfügung?«

»Ein Diesel-Aggregat, das 50 Kilowatt von 110 Volt Spannung liefert. Es ist vor fünf Jah-ren installiert worden und arbeitet sehr zuverlässig. Wir erzeugen auch Licht damit; das macht das Leben im Kloster angenehmer. Doch angeschafft haben wir es natürlich, um den Strom für die Motoren zu erzeugen, die unsere Gebetsmühlen treiben.«

»Natürlich«, antwortete Dr. Wagner, »darauf hätte ich selber kommen müssen.«

Die Aussicht über die Brüstung, die das Felsplateau abschloß, war schwindelerregend, doch mit der Zeit gewöhnt sich der Mensch an alles. Jetzt, nach drei Monaten, war Geor-ge Hanley unempfindlich geworden gegen den Blick in den 500 Meter tiefen Abgrund, in den der Felsen steil abfiel, oder auf das Schachbrett der Felder, das die Ebene zu seinen Füßen scheinbar endlos bedeckte. Lässig gegen den vom Wind geglätteten Stein gelehnt, starrte er verdrossen über das Tal hinweg auf die fernen Berge, deren Namen zu erfahren er sich bis jetzt nicht die Mühe gemacht hatte.

Dieser Job, dachte George, war das Verrückteste, das er je erlebt hatte. »Unternehmen Kauderwelsch« hatte ein Witzbold zu Hause diesen Auftrag getauft. Seit Wochen spie die Mark V nun Meilen von Papierstreifen aus, die mit sinnlosen Buchstabenzusammenstel-lungen bedeckt waren. Geduldig und unerbittlich ordnete die Maschine die neun tibetani-schen Lettern in sämtlichen möglichen Kombinationen, immer wieder von vorn beginnend, wenn eine Variationsreihe beendet war. Und unermüdlich nahmen die Mönche die aus dem elektromatischen Schreiber hervorquellenden Bänder in Empfang, schnitten sie sorg-fältig in gleich lange Stücke und klebten sie in große Folianten ein. In einer Woche, dem Himmel sei Dank, würde der Apparat die ihm gestellte Aufgabe bewältigt haben. Welche dunklen Überlegungen die Mönche davon abhielten, diese Operation auf zehn, 20 oder 100 Buchstaben auszudehnen, das wußte George nicht. Er lebte unter dem ständigen Alpdruck, daß der Plan doch noch in letzter Minute geändert würde und daß der höchste Lama, den sie »Old Sam« nannten, ihnen plötzlich eröffnete, das Projekt sei erweitert worden und würde ungefähr bis zum Jahre 2060 dauern. Es war ihnen zuzutrauen.

George hörte das schwere Holztor hinter sich zuschlagen, und Chuck trat neben ihn an die Brüstung. Chuck rauchte wie üblich eine seiner Zigarren, die ihn im Kloster so beliebt machten. Denn die Mönche schienen den kleinen und auch den meisten der größeren Annehmlichkeiten nicht abhold zu sein. Dies war etwas, das zu ihren Gunsten sprach; sie mochten verrückt sein - Kostverächter waren sie nicht. Dafür zeugten z.B. auch ihre häu-figen, nächtlich-heimlichen Ausflüge in das Dorf, das am Fuße des Felsens lag.

»Hör zu, George«, sagte Chuck aufgeregt, »ich habe etwas erfahren, das Ärger bedeu-tet.«
»Was ist los? Panne in der Maschine?« Dies war die schlimmste aller Möglichkeiten, die George sich vorstellen konnte. Es würde ihre Heimkehr verzögern, und nichts konnte für ihn gräßlicher sein. In der Gemütsverfassung, in der er sich befand, hätte er jetzt selbst eine Fernseh-Werbesendung wie Manna vom Himmel genossen; sie wäre wenigstens ein Stück Heimat gewesen.

»Nein, nichts dergleichen.« Chuck setzte sich auf die Mauer, was sehr ungewöhnlich war, denn bisher hatte er immer Angst gehabt, hinunterzufallen. »Ich habe herausgefunden, was der ganze Rummel hier bedeutet.«

»Wie meinst du das? Ich denke, das wüßten wir.«

»Sicher, wir wissen, was die Mönche wollen. Aber wir wußten nicht, warum. Es ist die ver-rückteste Geschichte ...«

»Wem sagst du das?« brummte George.

»Old Sam hat mir soeben reinen Wein eingeschenkt. Du weißt doch, daß er jeden Nach-mittag hereinkommt, um eine Weile stumm zu beobachten, wie die Streifen aus der Ma-schine herausflattern. Nun, heute erschien er mir ein bißchen aufgekratzt, soweit das bei ihm überhaupt möglich ist. Als ich ihm sagte, daß wir bei der letzten Variantenreihe seien, fragte er mich in seinem ulkigen Englisch, ob ich mich niemals gewundert hätte, warum sie das machten. Ich erwiderte: ‚Sicher', und er sagte es mir.«

»Schieß los! Ich bin auf alles gefaßt.«

»Nun, sie glauben, wenn sie alle Namen Gottes in ihren Büchern hätten - und sie rech-nen, daß es ungefähr neun Milliarden sind -, dann wäre der Wille des Schöpfers erfüllt. Die menschliche Rasse hätte damit vollendet, wozu sie geschaffen, und es bestünde kein Grund mehr für sie, weiter zu existieren.«

»Und was erwarten sie von uns, das wir dann tun sollen? Uns umbringen?«

»Das wird nicht nötig sein. Wenn die Listen vollständig sind, dann tritt Gott in Aktion und räumt auf ... Tableau!«

»Aha, ich verstehe. Wenn wir mit unserer Arbeit fertig sind, geht die Welt unter.«
Chuck kicherte nervös. »Genau das habe ich zu Old Sam gesagt. Und weißt du, wie der reagierte? Er hat mich angeschaut wie einen Schuljungen, der eine dumme Frage gestellt hat, und sagte: ‚Nichts ist natürlicher als dies.' »

George dachte eine Weile nach.

»Das nenne ich, die Dinge von höchster Warte sehen«, sagte er dann. »Doch was glaubst du, was wir jetzt tun sollen? Ich sehe keinen Grund zur Aufregung. Daß sie verrückt sind, haben wir schon immer gewußt.«

»Ja, aber siehst du denn nicht, was uns passieren kann? Wenn die Listen fertig sind und dann die Posaunen des Letzten Gerichts nicht ertönen - oder was sie sonst erwarten -, dann werden sie uns die Schuld geben. Es ist unsere Maschine, die sie benutzen. Mir ge-fällt die Sache ganz und gar nicht.«

»Ich verstehe«, sagte George langsam. »Da ist etwas dran. Aber so etwas ist schon oft passiert, mußt du wissen. Ich erinnere mich, als ich ein Kind war, hatten wir in Louisiana einen Dummkopf, der predigte, daß am nächsten Sonntag die Welt untergehen würde. Hunderte von Menschen glaubten ihm, verkauften sogar ihre Häuser. Als dann nichts ge-schah, wurden sie keineswegs auf ihren falschen Propheten böse. Sie kamen zu dem Schluß, daß er sich nur im Datum geirrt hatte, und glaubten weiter an ihn. Ich schätze, ei-nige von ihnen tun es heute noch.«

»Ja, aber hier ist nicht Louisiana, wenn du es noch nicht gemerkt haben solltest. Wir bei-de sind hier allein unter Hunderten von diesen Mönchen. Ich mag sie gern, und Old Sam wird mir leid tun, wenn sein Lebenswerk platzt. Trotzdem wünschte ich, ich wäre anders-wo.«

»Das wünsche ich mir schon seit Wochen. Doch wir können nichts unternehmen, bevor unser Kontrakt abgelaufen ist und das Flugzeug kommt, um uns abzuholen.«

»Vielleicht«, meinte Chuck nachdenklich, »können wir versuchen, mit ein bißchen Sabo-tage nachzuhelfen.«

»Den Teufel werden wir! Das würde die Sache nur noch schlimmer machen.«

»Nicht, wenn wir tun, was ich mir ausgedacht habe. Paß mal auf! Die Maschine wird in vier Tagen mit dem letzten Zyklus zu Ende sein, wenn sie wie bis jetzt 24 Stunden am Tage läuft. Das Flugzeug kommt in einer Woche. Wir müssen also nur bei der nächsten Überholpause etwas finden, das eine Reparatur nötig macht, etwas, das die Arbeit um ein paar Tage verzögert. Wir werden die Maschine natürlich wieder in Ordnung bringen, aber nicht zu schnell. Wenn wir die Zeit genau berechnen, können wir unten auf dem Flugplatz sein, wenn der letzte Namen aus dem Kasten springt. So werden sie das Nachsehen ha-ben, falls es ihnen einfällt, sich an uns rächen zu wollen.«

»Der Gedanke gefällt mir nicht«, erwiderte George. »Es wäre das erste Mal, daß ich eine Arbeit im Stich lasse. Außerdem würde sie das erst recht argwöhnisch machen. Nein, ich bleibe und warte ab, was kommt.«

»Die Sache gefällt mir immer noch nicht«, sagte er sieben Tage später, als sie auf den zähen Bergponys den steilen, gewundenen Pfad hinunterritten. »Und glaube ja nicht, daß ich weglaufe, weil ich Angst habe. Mir tun nur die armen Burschen dort oben leid, und ich möchte nicht dabei sein, wenn sie entdecken, was für Narren sie gewesen sind. Wissen möchte ich nur, wie Old Sam es hinnehmen wird.«

»Es ist ulkig«, erwiderte Chuck, »doch als ich mich von ihm verabschiedete, hatte ich den Eindruck, er verstünde, daß wir ihn sitzen ließen, machte sich aber nichts daraus, weil er wußte, daß die Maschine ordnungsgemäß lief und ihre Arbeit bald vollendet haben würde. Hinterher ...«

George drehte sich im Sattel halb um und schaute zurück, den Pfad hinauf. Hier war die letzte Stelle, von der aus man einen freien Blick auf das Lama-Kloster hatte. Die niederen, eckigen Gebäude zeichneten sich scharf gegen die Abendröte ab. In ihren Mauern glüh-ten vereinzelte Lichtpunkte wie die Bullaugen eines Ozeandampfers. Es waren die elektri-schen Birnen, die ihren Strom mit der Mark V teilten. Wie lange noch, fragte sich George. Würden die Mönche die Rechenmaschine in ihrer Wut und Enttäuschung zertrümmern? Oder würden sie sich ruhig hinsetzen und ihre Riesenarbeit von vorn beginnen?

Er wußte genau, was in diesem Augenblick auf dem Berge geschah. Der höchste Lama und seine Assistenten saßen in ihren seidenen Gewändern am Boden und sahen zu, wie die jüngeren Mönche die beschriebenen Papierstreifen der Maschine entnahmen, sie zer-schnitten und Blatt für Blatt in die großen Bände einklebten. Keiner sprach ein Wort. Das einzige Geräusch war das ununterbrochene Klappern der Tasten des automatischen Schreibers, die wie ein nicht enden wollender Regenschauer auf das Papier niederpras-selten. Denn die Mark V selbst blieb vollkommen stumm, während sie Tausende von Ope-rationen in der Sekunde durchführte. Und das drei Monate lang, dachte George, genug, um den stärksten Menschen die Wände hochgehen zu lassen.

»Da ist sie!« rief Chuck und zeigte hinunter ins Tal. »Ist sie nicht wunderbar?«

Sicher war sie das, dachte George. Die alte verwitterte DC 3 lag wie ein winziges, silber-nes Kreuz am Ende der Startbahn. In zwei Stunden würden sie von ihr davongetragen werden, zurück in Bezirke der Freiheit und des gesunden Menschenverstandes. Es war ein Gedanke, wert, genossen zu werden wie ein guter Tropfen. George schlürfte ihn, wäh-rend das Pony geduldig den Berg hinunterlief.

Die Nacht kommt schnell im hohen Himalaja, und bald war es dunkel. Glücklicherweise war der Weg gut, was man so »gut« nennt in dieser Gegend, und sie trugen beide eine Fackel. Sie fühlten sich außer jeder Gefahr; nur die Kälte wurde immer schärfer. Der Himmel war vollkommen klar, und über ihnen funkelten die vertrauten Sternbilder. Bei diesem Wetter würde der Pilot keine Schwierigkeiten mit dem Start haben, dachte Geor-ge. Das war nämlich seine einzige Sorge gewesen.

Er begann zu singen, gab es aber bald wieder auf. Das urweltliche Panorama der Berge, die wie weißbemützte Geister von beiden Seiten auf sie herunterstarrten, ließ keine übermütige Stimmung aufkommen. George warf einen Blick auf seine Armbanduhr.

»In einer Stunde dürften wir unten sein«, rief er über die Schulter Chuck zu. Dann fügte er nachdenklich hinzu: »Ob die Mark V schon Schluß gemacht hat? Um diese Zeit ist der letzte Ausstoß fällig.«

Chuck antwortete nicht, und George drehte den Kopf nach hinten. Er sah gerade noch Chucks Gesicht, ein weißes Oval, gegen den Himmel gerichtet.

»Sieh!« flüsterte Chuck und George hob die Augen zum Nachthimmel.

Alles tut der Mensch irgendwann zum letzten Mal.

Über ihren Köpfen verlöschten lautlos die Sterne.

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